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Samenproduktion der Waldbäume und Ernteaussichten des Jahres 2001 (Vorhersage des Inst. für Waldbau)    07/06/2001
Wald
Für Waldbaupraktiker der naturnahen Waldbewirtschaftung einerseits sowie Samen-händler und Forstpflanzenproduzenten andererseits wird für kurz- bis mittelfristige Planungen eine rechtzeitige Vorhersage der zu erwartenden natürlichen Reproduktion von Bedeutung sein.
Im Rahmen eines Langzeitprojektes der Forstlichen Bundesversuchsanstalt "Unter-suchungen der Reproduktionsfähigkeit des Waldes" wird das Blühverhalten und die spätere Samenproduktion der meisten Waldbaumarten seit 1989 erfasst.

Erhebungsmethodik

Die entscheidende Voraussetzung für die Fruktifikation der Bäume liegt in ihrem Blühverhalten (Beginn, Dauer und Intensität). Da eine Erfassung dieser Faktoren mit herkömmlicher Methodik (Feldstecher) nur bedingt möglich ist, kann aufgrund der Anemogamie (Windblütigkeit) der meisten Waldbaumarten mit Hilfe von Pollenfallen eine objektive Darstellung der Blühverläufe erfolgen. Nach Auswertung längerer Untersuchungsreihen von Blüh- und Samenfalldaten kann, mit Einbeziehung der wesentlichen Klimadaten während der Blühzeit und Bezug der aktuellen Pollenmenge zum langjährige Pollenmaximum jeder Baumart, annähernd die potentielle Samenproduktion angeschätzt werden.

Ergebnisse des Jahres 2001

Auswertungen von wenigen Stationen des Institutes für Waldbau sowie drei Stationen des österreichischen Polleninformationsdienstes weisen überdurch-schnittliche Werte für die Baumarten Lärche, Buche, Tanne und Fichte im südlichen und nördlichen Voralpenbereich mit Wienerwald, Wald- und Mühlviertel aus. Vorläufig wurden nur Stationen der kollinen bis tiefmontanen Höhenstufe (bis ca. 800 m) erfasst, da die Blühzeit auf höheren Standorten noch nicht abgeschlossen ist.

Lärche:
Lange schon besteht verstärkte Nachfrage nach "Tieflagensaatgut" dieser Baumart. In diesem Jahr lag die Blühzeit und Bestäubung ohne nennenswerter Störung zwischen den beiden Spätwintereinbrüchen (Anfang und Mitte April). Die damit verbundenen tiefen Temperaturen waren für die weiblichen Lärchenblüten zumeist erträglich. Nur trupp- bis gruppenweise vorkommende Lärchenanteile können entsprechendes Saatgut erzeugen, einzelne Überhälter liefern nur schlechte, hohlkornreiche, durch Selbstung entstandene Samen!

Fichte:
Die Pollenwerte des Rekordjahres 1992 wurden bis zu 80% erreicht. Die Blühverläufe waren durchwegs 14 Tage lang ungestört, so daß mit Vollkornanteilen von über 90% gerechnet werden kann.

Buche:
Zumeist neue Rekordergebnisse der langjährigen Untersuchungen, ebenso waren die Blühverläufe in den einzelnen Wuchsregionen ungestört. Auch wenn zu erwartende Hitzeperioden im Juli und August vorzeitigen Samenfall verursachen werden, wird mehr als ausreichendes Reproduktionsmaterial ausreifen können.

Tanne:
Überdurchschnittlich gutes Blühverhalten in den tieferen Verbreitungsregionen, so daß die Voraussetzungen für Naturverjüngung und Beerntungen gegeben sind.

Eichenarten:
Anhand der Pollenauszählung ist eine Unterscheidung zwischen Stiel- und Traubeneiche kaum möglich. Aufgrund der guten Ergebnisse sollten heuer diese Baumarten in Gebieten fruktifizieren, welche im Vorjahr nicht betroffen waren, da derzeit von einem zwei bis dreijährigem Blüh- und Fruktifikationsrhythmus dieser Hauptbaumarten ausgegangen werden kann.

Esche:
Der Blühverlauf dieser, im März / April blühenden Baumart, war in diesem Jahr besonders durch das abwechslungsreiche "Aprilwetter" beeinträchtigt, so daß nur unterdurchschnittliche Pollenwerte feststellbar waren. Beerntbar nur bei ausgeglichenem Verhältnis von weiblichen und männlichen Bäumen in unmittelbarer Umgebung!

Ahornarten:
Feldahornvorkommen der Tieflagen waren ähnlich der Blühverläufe von Lärche begünstigt, der primär insektenblütige Spitzahorn hingegen läßt aufgrund der schlechten Wetterlage keine positiven Erwartungen zu; beim später blühenden Bergahorn blieben die Ergebnisse im langjährigen Durchschnitt.

Nach Vorliegen aller Auswertungen im August / September, können diese ersten, vorläufigen Prognosen präzisiert werden und bundesweite Feststellungen erfolgen.

Rudolf Litschauer
Institut für Waldbau / FBVA


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