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Schutzwaldprojekt „Saumerberg“, Steiermark, FAST Schladming    08/01/2003
Wald
Schutzwaldprojekt „Saumerberg“
Eine Kooperation zwischen Stmk. Landesforstdienst,
Stmk. Forstverein und dem osterr. Alpenverein


Der österr. Alpenverein ( ÖAV ) hat sich zum Ziel gesetzt, die Schweizer Idee
„ Bergwaldprojekt “ auch in Österreich auf eine breitere Basis zu stellen und auszubauen. In freiwilligen Arbeitswochen sollen, in enger Zusammenarbeit mit Forstfachleuten, verschiedenste Maßnahmen im Schutzwaldbereich umgesetzt werden, die die Stabilität, Vitalität und Naturnähe des Berwaldes verbessern. Hierzu zählen nicht nur Aufforstungen, sondern auch Kulturpflege- und schutzmaßnahmen, Gleitschneeschutz, Steigbau, Maßnahmen zur Hintanhaltung von Erosionen u.v.m.
Im internationalen Jahr der Berge sollen die ersten Projektwochen – möglichst in allen Bundesländern mit Gebirgswald – als Start eines langfristigen Projektes laufen.
Derzeit sind aufgrund fehlender Einsatzmöglichkeiten ( geeignete Gebiete, Mangel von Fachleuten für Durchführung, Organisation und Planung, Förderungsmöglichkeiten, Wille des Grundeigentümers u.v.m. ) nur Projekte im Bundesland Tirol bekannt.
Das erste Pilotprojekt in der Steiermark, wurde nun in der Forstinspektion Stainach, FAST-Schladming, mit 17 freiwilligen Mitarbeitern des ÖAV ( aus allen Bundesländern und Nachbarland Deutschland ) gestartet.
Etwas schwierig gestaltete sich im Vorfeld die Organisation und Kalkulation, da die Einsatz- und Arbeitserfahrung der Gruppenteilnehmer, die Gruppengröße, somit auch das Zeitkalkül für die geplanten Arbeiten nur angeschätzt werden konnten.

Allgemeines:


Das Landeskonzept zur Verbesserung der Schutzfunktion des Waldes, erstellt 1991–1993 von der Fachabteilung für das Forstwesen ( Amt der Stmk. Landesregierung ) und dem forsttechnischen Dienst für Wildbach – und Lawinenverbauung ( Sektion Steiermark ) für den Bereich der Bezirksforstinspektion Stainach, mit der Laufzeit von 1994 – 2014, weist auch das im folgenden beschriebene Projektgebiet „ Saumerberg “ als ein Arbeitsgebiet zur Verbesserung der Schutzfunktion aus, wobei vorangig biologisch – waldbauliche als auch technische Verbauungsmaßnahmen vorgesehen sind.
Im Gebiet der Bezirksforstinspektion Stainach wurden 33 Flächen mit einer Flächengröße von ca. 4.223 ha als gefährdete Schutzfunktionsflächen ausgeschieden.
Die wichtigsten Ursachen für die Gefährdung sind auf 20 Flächen ( 2.683 ha ) Steinschlag und Lawinen. Auf sechs Flächen ( 757 ha ) muß die Bestockung zum Schutze des Waldbodens erhalten werden ( stark erodierte Kalkstandorte ). Sieben Flächen ( 783 ha ) wurden wegen Labilität des Untergrundes (Rutschhänge ) ausgeschieden.
Auf 23 Flächen ( 2.972 ha ) stehen Verjüngungsmaßnahmen und auf zehn Flächen (1.251 ha) Pflegemaßnahmen im Vordergrund der durchzuführenden Maßnahmen.

Projektgebiet „ Saumerberg “


Das ausgearbeitete Projekt im Ausmaß von ca. 4 ha, umfasst einen Teil des gesamten Projektgebietes „ Saumerberg “. Die vorgeschlagenen, vielfältigen Maßnahmen, sollen Möglichkeiten einer waldbaulichen Sanierung eines Bodenschutzwaldes aufzeigen, wobei langfristig jene waldbaulichen Maßnahmen weiter umgesetzt werden sollen, welche sich auf der Projektsfläche nach Ablauf von 5 Jahren am besten bewähren.
Das gesamte Projektgebiet „ Saumerberg “ umfasst eine Gesamtfläche von 123 ha. Die Seehöhe erstreckt sich von 900 bis 1229m ( Saumerberg ).
Der „ Saumerberg “ gehört zum Herkunftsgebiet 2.2 der nördlichen Zwischenalpen – Ostteil. Die Leitgesellschaft bildet der montane Fi-Ta-Bu Wald. Als Bestockungsziel sind
5 LH – Anteile unbedingt erforderlich, ansonsten nachhaltige Standortsdegradationen zu erwarten sind.

Die gelände- und untergrundbedingte schwierige, daher mangelnde Erschließung des Gebietes, lässt nur eine extensive waldbauliche Nutzung somit auch dringend notwendige waldbauliche Maßnahmen nur unter erschwerten Bedingungen zu.
Die derzeitige Situation zeigt eine Überalterung des Bestandes ( Absterben von Fichten- und Kiefernindividuen ) mit mangelnder Verjüngungsfreudigkeit, vor allem des Laubholzes
(vereinzelte Samenbäume existieren nur im südlichen Teil der Projektfläche d.h. am Bergfuß), primär bedingt durch eine kniehohe Strauch (Erika )- bzw. Grasschicht auf seichtgründigen Rendsinastandorten. Aufgrund dieser Tatsache kann derzeit der Wildeinfluß als primärer Faktor einer fehlenden Naturverjüngung ausgeschlossen werden.

Der Rohhumus liegt als sogenannter Auflagehumus auf dem Mineralboden auf. In Mulden und kleinen Grabeneinhängen zeigen sich Anzeichen von Lockersediment-Braunerden, teilweise Parabraunerden, wobei es durch Auswaschung zu einer Verlagerung der Tonmineralien und des Eisens in tiefere Schichten, zu einer sogenannten Lessivierung, kommt. Begrenzender Faktor ist der Wasserhaushalt, da Gründigkeit und Wasserhalte-vermögen in der Regel gering sind und das durchlässige Gestein keinen Hangwasserzug ermöglicht. Ausreichende Beschattung und Vegetationsbedeckung ist daher entscheidend


Standort:

Standortbeschreibung:

Exposition: Süden
Seehöhe: 900 – 1229m
Neigung: mäßig steiler Mittelhang ( 40 % bis max. 70% )
Standort: auf Rohbodenflächen: Erika Typ
mit beginnender Humusbildung (teilweise vorhanden):
Schneerosen-Leberblümchen Typ
Standortsdegradation durch einseitige Förderung der Nadelhölzer ( Fichte und Kiefer ) und Streunutzung, sowie durch Farngewinnung ( Fehlen von Bodendecker )

Maßnahmen:

Zweck:

Den Grundeigentümern und Waldbesitzern sollen Möglichkeiten einer sinnvollen Schutzwaldverbesserung zum Zwecke des Bodenschutzes, zur Vorbeugung von Erosionen, und zur nachhaltigenVerbesserung des Waldzustandes durch waldbauliche Maßnahmen aufgezeigt werden, um künftig den ökologischen und ökonomischen Wert eines stabilen, vitalen und artenreichen Waldes zu erkennnen und zu fördern.
Umsetzung:

A) Errichtung von zwei Kontrollzäunen ohne künstliche Verjüngung für Nachvollziehbarkeit einer eventuell vorhandenen Naturverjüngungsaktivität auf Rohboden mit Beseitigung der Strauchschicht auf 50% der Fläche bzw. ohne Beseitigung der Stauchschicht auf dem verbleibenden Rest der Zaunfläche. Bergseitig werden die Zäune gegen Gefahren durch Gleitschnee gesichert.

B) Errichtung von zwei Kontrollzäunen mit Nadel- bzw. Laubholz, ohne Verpflockung der Pflanzen, zur Beobachtung der Einflüsse extremer Schneehöhen und von Gleitschnee.

C) Gruppen- und truppweise Pflanzung in vorhandenen bzw. neu geschaffenen Bestandeslücken mit/ohne Verspannen der Verpflockung gegen Gleitschnee.

D) Einbringen von Sträuchern ( Bodendecker ) in Bestandeslücken ( teilweise geschützt )


Erschließung:

Das gesamte Projektgebiet „ Saumerberg “ ist aufgrund schwieriger Geländeverhältnisse beinahe unerschlossen. Im Jahre 1998 wurde über Betreiben der Waldeigentümer, um den Ausbau eines alten, sogenannten „Farnweges“ ( wurde ehemals für die Bringung des Farnes und der Streu angelegt ) behördlich angesucht und dieser auch genehmigt.
Die Errichtung erfolgte ausschließlich in baggerbauweise in einer für Traktor oder Mulli ausreichenden Breite und unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf den angrenzenden Bestand. Die maximale Längsneigung beträgt 28 %. Durch diesen Rückeweg können notwendige waldbauliche Maßnahmen durchgeführt werden ( Vorbeugung gegen Schädlingsbefall, Waldbrandbekämpfung, Brennholznutzung, Einzelstammentnahmen ).


Leistungen und Material

Material:

Zaunpflöcke: 2,5m, Durchmesser 10 cm, imprägniert, 70 Stück,
Robinienpflöcke: Länge 2m, 4 x 4cm, 200 Stück,
Zaunrollen, hasendicht, rotwildsicher, Höhe 2m, 4 Rollen,
Spanndraht zum Zurückbinden ( Gleitschnee ), 400 lfm, à 80lfm,
Baumschutzsäulen 1,5m, gelochte Tubex,155 Stück,
Baumschutzsäulen 1,8m, Tubex, 50 Stück,
Kabelbinder, 100 Stück
U – Haken, 1 Packung
Bretter ( Baumbefestigung )
Stachelbäume für Fegeschutz 80 Stück, 7mm,
Verbissschutzkappen 100 Stück,
Gesamt: ca. Euro 2.900.-




Pflanzenmaterial:

Mehlbeere mit Ballen: 50 Stück1/2, 80/120
Rotbuche mit Ballen: 75 Stück1/2, 50/80
Bergahorn ohne Ballen: 75 Stück1/2, 100/140
Lärche: 100 Stück1/2, 40+
Tanne: 50 Stück2/3, 20/40,
Felsenbirne mit Ballen: 50 Stück, 50/80

Gesamt: ca. Euro 500.-


Leistungen Grundbesitzer:

40 Arbeitsstunden, 200 km Kfz im Gelände und Straße inkl. Anhänger für Material ( auch Pflanzenbeschaffung ) und Personentransport, elektrische Geräte ( Kreissäge, Bohrer ), 7 Std. Motorsäge, 8 Stunden Mullieinsatz

Gesamt: ca. Euro 900.-



Arbeitsleistung ÖAV:

Ca. 450 Arbeitsstunden Gesamt: ca. Euro 3.700.-



Gesamtkosten: ca Euro 8.000.-.


Abschließend darf seitens der Organisation, den hoch motivierten Teilnehmern der ÖAV-Gruppe für ihre überdurchschnittlich erbrachten Leistungen gedankt werden. Es zeigt vom regen Interesse an der Erhaltung eines gesunden Bergwaldes in unseren steirischenWäldern und von einer bereitwilligen Zusammenarbeit von Naturnutzern. Viele Berührungsängste wurden abgebaut, umfassende Aufklärung in Hinblick auf Natur, Wald und Wild betrieben, am eigenen Leib die Mühen waldbaulicher Maßnahmen im steilen Gelände (Schutzwald) verspürt, somit auch Verständnis für die Interessen der Waldeigentümer geweckt.
Gedankt wird auch dem Stmk. Forstverein für die sofortige Bereitschaft, das Projekt finanziell zu unterstützen ( Unterbringung der ÖAV-Gruppe ), sowie für die gute Zusammenarbeit innerhalb des Landesforstdienstes.


Bez.Fö.Ing. Gerhard GRUBER



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